WEIT.WAY.LAND
das bernhard ensemble frei nach A. SCHNITZLER und D. LYNCH eine Stück/Film Überkreuzung des Autoren-/Regieduos WEIGEL/VOSS nach „Das weite Land“ und „Lost Highway“ Termine: 3., 5., 8., 11., 12., 15., 18., 19., 22., 25., 26., 29. November 2011 6.,9., 10., 13., 16., 17. Dezember 2011 10., 13., 14., 17., 20., 21., 24, 27., 28. Jänner 2012 immer 19:30 außer 25. November (20:00) und 16. Dezember (20:00)
Weißer Saal Karten:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.
oder +43 676 360 62 06 Presse: +43 676 360 62 06 Inhalt: Retrofabrikant und Ober-Bobo Hofreiter hat seine 40er-Krise. Geschäfte und Affairen laufen bestens, als er plötzlich seine Frau Genia des Betrugs bezichtigt. Mysteriöse Videos und das Auftauchen merkwürdiger Personen lassen ihn stark an der Realität seiner Lifestyle-Welt zweifeln, die selbst sein Life-Coach Mauer nicht mehr in den Griff bekommt.
Er gerät in den Strudel seiner dunklen Psyche und findet sich wieder in einer rätselhaften Parallelwelt aus Gier, Lust, Betrug, Eifersucht und Orientierungslosigkeit, die ihn offensichtlich zum Mörder aus Leidenschaft macht.
Ein surrealer Abend über die Vereinbarkeit von Luxus und Nachhaltigkeit, Treue und Betrug, Moral und Sünde, Körper und Psyche, Beruf und Familie, Vergessen und Erinnern und wie man Rückgrat bewahrt, wenn man seinen Charakter durch Gefühle verliert. PRESSESTIMMEN
WIENER ONLINE: Die Seele ist ein tiefer Sumpf
Eine kurze, aber dringliche Theatergruselempfehlung: Das bernhard ensemble übertrifft sich selbst mit der Umsetzung eines aberwitzigen Projekts, das es – so der Anschein – sich seit Jahren erträumt haben muss.
Ernst Kurt Weigel und Grischka Voss verknüpfen in ihrer neuesten Arbeit „weit.way.land“ Schnitzlers derzeit in vielen deutschsprachigen Theatern besonders beliebten Klassiker „Das weite Land“ mit David Lynchs „Lost Highway“ – und mit der eigenen erbarmungslosen Sicht auf die Familienstrukturen der westlichen Gegenwart. Die Seele ist ein tiefer Sumpf, Hofreiter ein österreichischer „American Psycho“-Bateman mit unkontrolliertem Gesundheitssucht und seinem Freund Mauer als Coach (nicht als Arzt), Genia ein apathisches Luder im roten Kleid. Sie erhalten Videos des toten Korsakow, der mit Genia eben keine Affäre hatte.
Von den beiden Stoffen ausgehend wurde wild assoziiert, echte Textzitate sind nur eine Handvoll übriggeblieben, die Handlungen werden dennoch auf finsteren Nebenstraßen zusammengeführt. Alles ist möglich, und doch profiliert sich fast jede einzelne Szene, wenngleich weich gespielt und natürlichst gesprochen mit Ecken und Kanten, als müsste sie genau so sein.
„weit.way.land“ hat atmosphärisch viel Lynch, zwischenmenschlich viel Schnitzler. Aber das Beste ist, wenn man sich mit beiden nicht auskennt, keine Fragen stellt, sondern sich dem gänzlich eigenwilligen und auf seine Art furiosen Schauspiel hingibt, da alle fünf Akteure ihre wohl seit langem persönlichsten und besten Performances hinlegen, allen voran Ernst Kurt Weigel als erschreckend grotesker und doch so gar nicht übertriebener Hofreiter. (11.01.2012) DER NEUE MERKER: WIEN / Off Theater: WEIT.WAY.LAND Schnitzlers „Weites Land“ zum Dritten in Wien. Nach Josefstadt undBurgtheaterhat sich nun das bernhard ensemble einiges zu dem Stück ausgedacht, und das ist eine sehr intelligente, sehr witzige und sehr satirische Auseinandersetzung geworden, wobei sich Hauptdarsteller Ernst Kurt Weigel, auch für Dramaturgie und Mit-Regie verantwortlich, den „Verschnitt“ mit dem David Lynch-Film „Lost Highway“ ausdachte, was zwar nicht a priori zwingend ist, aber hilft, die Geschichte in Details zu schärfen. Dabei macht „Das weite Land“ mit seiner Thematik (vom originalen Dialog ist wenig geblieben) gut Dreiviertel des Geschehens aus – aber das weite Land der Seele von anno 1910 wird zum Zeitgeist-Highway von heute. „Dick Laurent ist tot!“ heißt es im Film per Telefon am Anfang und am Ende. „Otto von Aigner ist tot“ rahmt diesen Abend paraphrasierend ein.
Da sitzen sie also in einer Couch-Dekoration der fünfziger Jahre mit Holzhäuschen im Garten, Hofreiter, Gattin Genia und Dr. Mauer als Hausfreund und platter Lebensberater (wenn ein Ehepaar mit Problemen gemeinsam ein Biokisterl pflegt, muss doch einfach alles gut werden!). Zu Besuch kommen Mama Wahl und Tochter Erna, und die fünf Protagonisten übernehmen wenn nötig durchaus noch andere Rollen.
Wie wären diese Reichen heute? Nun, Hofreiter würde seine hierlands verbotenen Glühbirnen bis Libyen verkaufen – und ein paar alte Fabriken in die Wüste stellen zwecks Gewinnmaximierung. Dafür gibt man sich im Alltag streng korrekt – Öko, Wellness, Sport zur Stressminimierung, Bio (letzteres bis halb zum Verhungern). Das wacklige Sexleben wird – Leihgabe aus dem Lynch-Film – mit Porno-Videos unterstrichen. Ein von Midlife geschüttelter Hofreiter umkreist die Krise monologisch, während die Sprache der anderen (vor allem von Jung-Erna) mehr als rüde geworden ist. Ja, so sind’s, die Herrschaften, die die „gute Gesellschaft“ von heute bilden – man darf darüber lachen, aber man lacht zurecht, weil man erkennt, wie viel scharf und richtig Beobachtetes (vor allem bezüglich der Verlogenheiten – und der Schamlosigkeiten) das Ensemble hier hineingepackt hat. Hier wurde Schnitzler um ein Jahrhundert in unsere Richtung katapultiert, und von der Eleganz einer Spätmonarchie-Gesellschaft ist nichts übrig geblieben… Gesellschaftliche und psychologische Parallelen hingegen sind evident.
Der Abend wurde übrigens, obwohl von Grischka Voss /Ernst Kurt Weigel (den Begründern des bernhard ensembles) inszeniert, dennoch im Kollektiv improvisiert erarbeitet. Man folgt zwar einer „Storyline“, agiert aber Abend für Abend nach wie vor per Improvisation, was die Arbeit für die Schauspieler nicht leichter macht. Zweieinhalb pausenlose Stunden, das ist für niemanden einfach und wird virtuos gehandhabt.
Alles dreht sich um einen hier ziemlich weinerlich gewordenen Hofreiter, der um Haltung und Akzeptanz ringt, aber von Schnitzlers strahlend selbstbewussten „Bösewicht“ zum ziemlich armen Hund geworden ist: Ernst Kurt Weigel macht das glänzend. Kristina Bangert darf in der Szene am Völser Weiher (wo die Zivilisationsgeplagten entzückt die Möglichkeit wahrnehmen, die Umwelt zuzumüllen – ist ja nur eine befreiende Freizeitbeschäftigung angesichts der Zwänge zuhause!) zu einer frei erfundenen Zenzi mutieren, die ihre Natur mit absoluter Selbstverständlichkeit an den zahlenden Zeitgeist verkauft, und sie ist in dieser Rolle so trocken komisch, dass sie fast noch mehr Wirkung erzielt als mit ihrer Genia Hofreiter. Eva Reinold als grundgoscherte Erna, so ein richtiger Fetzen von heute, überzeugt nicht nur damit, sondern auch als exzellente Sängerin (so eine „Gigolo“-Nummer einzulegen, ist in diesem Zusammenhang durchaus legitim). Köstlich, wie Kajetan Dick einerseits den Dr. Mauer als Kümmerer spielt, andererseits in den Videosequenzen als Korsakow vor seinem Selbstmord, der hier zum Pornoproduzenten mutiert ist (auch eine Anleihe beim Film), komödiantisch herumtobt. Und Grischka Voss? Sie ist einerseits eine „Mama Wahl“, deren Vollmundigkeit durchaus auf heutigem Wortschatz beruht, andererseits hat sie David Lynchs weißgesichtigen Mystery Man für sich in ein „Mystery Girl“ ganz in Grün umgewandelt, ein Geschöpf aus Sci-Fi-Kinowelten, das in eng anliegendem Body, der auch ihren Kopf voll umschließt, halb als Lurch und Urvieh, halb als das unlösbare Geheimnis selbst herumschleicht…
Das alles zeugt nicht nur von Können, sondern auch von intelligenter Überlegung. Der Zeitsprung über hundert Jahre wird mit Gewinn für das Ensemble und die Zuschauer vollzogen… (10.01.2012) KURIER: Die Besten der Besten in der Champions League der Kunst. Kategorie Theater – Alternativ:
bernhard ensemble – Weit.Way.Land Eine Arbeit zwischen atemberaubend dichten Szenen und platter Blödelei: Grischka Voss und Ernst Kurt Weigel fusionieren Schnitzlers „Das weite Land“ und David Lynchs „Lost Highway“ zu einem grellen, kühnen, hochambitionierten Theaterabend. Die Arbeit des bernhard ensemble ist aus Wien nicht mehr wegzudenken. (25.12.2011) FALTER 45/11: Wenn David Lynch auf Arthur Schnitzler trifft WEIT.WAY.LAND im Off-Theater
„Weißt du, die Seele ist ein weites Land. Ich helfe dir, einen Highway draus zu machen“, heißt es in „Weit.Way.Land“, wo Treue auf Betrug, Mystery auf Komödie, Alpenluft auf Showbusiness und Arthur Schnitzlers „Das weite Land“ auf David Lynchs „Lost Highway“ trifft. Eine Kombination, die erstaunlich gut funktioniert. Friedrich und Genia werden zum Schluss Pete und Alice heißen, sie werden nicht mehr dieselben sein. Dazwischen wird durch einen 5-Elemente-Garten spaziert, geliebt, gemordet und ein Berggipfel bestiegen, weil der Großstädter nur in der Natur „the inner truth“ finden kann. Die Inszenierung ist ein permanenter Stilmix, der Psychothrillereffekte mit Lachern aus dem Off unterlegt. Zum Mitlachen! EMPFOHLEN! DER STANDARD: Das Bernhard Ensemble verhilft Schnitzlers Seelenstudie mit ungewöhnlichen Mitteln zu neuer Vitalität
Wien - Dem Premierenreigen der Ehetragödie Das weite Land (Wien, München, Klagenfurt) setzt das Bernhard Ensemble eins drauf. In Weit. Way.Land verhilft die Gruppe Schnitzlers Seelenstudie, die im bürgerlichen Korsett moralische Entgrenzungsmanöver vornimmt, mit ungewöhnlichen Mitteln zu neuer Vitalität.
Im Off-Theater in der Kirchengasse haben die Regisseure Grischka Voss und Ernst Kurt Weigel das Jahrhundertwendedrama mit Motiven von David Lynchs Film Lost Highway verknüpft. Das hebt den Subtext des Dramas hervor: Voss als Mutter im Shrek-Gewand und zugleich als Mystery-Figur, die das peinvolle unterbewusste Leben der Eheleute (mittels zugespielter Videokassetten) freilegt. Kristina Bangert als Hollywood-Schönheit (Genia bzw. Renée aus Lost Highway) sowie als Hüttenwirtin (Szenen am Völser Weiher), die den Gästen aus der Stadt perverse Workshops anbietet: kontrollierter Waldbrand (!), auch so eine unbewusste Fantasie.
Glühbirnenfabrikant Friedrich Hofreiter (Weigel) macht hier Geschäfte mit illegalen Lichtquellen für Libyen. Und Kajetan Dick switcht famos zwischen dem zwänglerischen Mauer und dem zum osteuropäischen Videokünstler mutierten Korsakow (bei Schnitzler war er noch russischer Pianist). Mit dem Biokistl (Hofreiter: "Ist das Biokistl schon da?") werden die Hofreiters endgültig einem Bobotum zugeschrieben, das seine Gefühlsnöte (Geldnöte gibt es ja keine) hinter politisch korrekten Manifestationen pflegt. (Printausgabe, 5./6. November 2011) Ö1 KULTURJOURNAL: "Weit.Way.Land" Schnitzler trifft Lynch http://oe1.orf.at/artikel/290203 (8.11.2011) WIEN INTERNATIONAL.AT: Wiener OFF Theater "Vom Dunkel in unserer Seele" http://www.wieninternational.at/de/content/vom-dunkel-unserer-seele-de OFF Theater Vienna "The dark corners of the soul" http://www.wieninternational.at/de/node/31411 Besetzung: Es spielen:
| Kristina Bangert / Eva Reinold / Grischka Voss / Kajetan Dick / Ernst Kurt Weigel
| | Regie: | Grischka Voss / Ernst Kurt Weigel | | Ausstattung: | Thea Hoffmann-Axthelm | | VideoArts: | Julia Suess – dada-dada.tv
| | Dramaturgie: | Ernst Kurt Weigel / Sabrina Bolschetz | | Choreografie: | Peter Beil | | Produktion/Presse: | Monika Bangert | Info: www.off-theater.at www.bernhard-ensemble.at www.dada-dada.tv/weltbuehne | | |